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A qui van mis solos
TRISTAN (wild auffahrend) Los den Anker! Das Steuer dem Strom! Den Winden Segel und Mast!
(Er entreißt ihr die Trinkschale.)
Wohl kenn' ich Irlands Königin und ihrer Künste Wunderkraft Den Balsam nützt' ich, den sie bot: den Becher nehm' ich nun, daß ganz ich heut' genese. Und achte auch des Sühne-Eids, den ich zum Dank dir sage. Tristan Ehre - Höchste Treu'! Tristans Elend - kühnster Trotz! Trug des Herzens! Traum der Ahnung! Ew'ger Trauer einz'ger Trost. Vergessens güt'ger Trank, dich trink, ich sonder Wank!
(Er setzt an und trinkt.) Acto I
TRISTAN Dem Tage! dem Tage! dem tückischen Tage, dem härtesten Feinde Haß und Klage! Wie du das Licht, o könnt' ich die Leuchte, der Liebe Leiden zu rächen, dem frechen Tage verlöschen! Gibt's eine Not, gibt's eine Pein, die er nicht weckt mit seinem Schein? Selbst in der Nacht dämmernder Pracht hegt' ihn Liebchen am Haus, streckt mir drohend ihn aus! Acto I
TRISTAN Was dich umgliß, mit hehrster Pracht, der Ehre Glanz, des Ruhmes Macht, an sie mein Herz zu hangen hielt ich der Wahn gefangen. Die mit des Schimmers hellstem Schein mir Haupt und Scheitel licht beschien der Welten Ehren Tagessonne mit ihrer Strahlen eitler Wonne, durch Haupt und Scheitel drang mir ein bis in des Herzens tiefsten Schrein. Was dort in keuscher Nacht dunkel verschlossen wacht' was ohne Wiss' und Wahn ioch dämmernd dort empfahn, ein Bild, das meine Augen zu schau'n sich nicht getrauten von des Tages Schein betroffen lag mir's da schimmernd offen. Was mir so rühmlich schien und hehr das rühmt' ich hell vor allem Heer; vor allem Volke pries ich laut der Erde schönste Königsbraut. Dem Neid, den mir der Tag erweckt'; dem Eifer, den mein Glücke schreckt'; der Mißgunst, die mir Ehren und Ruhm begann zu schweren: denen bot ich Trotz und treu beschloß, um Ehr' und Ruhm zu wahren, nach Irland ich zu fahren. Acto II
TRISTAN Oh, nun waren wir Nacht-Geweihte! Der tückische Tag, der Neid-bereite, trennen konnt' uns sein Trug doch nicht mehr täuschen sein Lug! Seine eitle Pracht, seinen prahlenden Schein verlacht', wem die Nacht den Blick geweiht; seines flackernden Lichtes flüchtige Blitze blenden uns nicht mehr. Wer des Todes Nacht liebend erschaut, wem sie ihr tief Geheimnis vertraut; des Tages Lügen, Ruhm und Ehr' Macht und Gewinn so schimmernd hehr, wie eitler Staub der Sonnen sind sie vor dem zersponnen! In des Tages eitlem Wähnen bleibt ihm ein einzig Sehnen das Sehnen hin zur heil'gen Nacht, wo ur-ewig einzig wahr, Liebeswonne ihm lacht!
(Tristan zieht Isolde sanft zur Seite auf eine Blumenbank nieder, senkt sich vor ihr auf die Knie und schmiegt sein Haupt in ihren Arm.) Acto II
TRISTAN (sich mehr aufrichtend) Unsre Liebe? Tristans Liebe? Dein' und mein', Isoldes Liebe? Welches Todes Streichen könnte je sie weichen? Stünd' er vor mir, der mächt'ge Tod, wie er mir Leib und Leben bedroht', die ich so willig der Liebe lasse, wie wäre seinen Streichen die Liebe selbst zu erreichen?
(immer inniger mit dem Haupt sich an Isolde schmiegend)
Stürb' ich nun ihr, der so gern ich sterbe wie könnte die Liebe mit mir sterben die ewig lebende mit mir enden? Doch, stürbe nie seine Liebe wie stürbe dann Tristan seiner Liebe? Acto II
TRISTAN (mitleidig das Auge zu Marke erhebend) O König, das kann ich dir nicht sagen; und was du frägst, das kannst du nie erfahren.
(Er wendet sich zu Isolde, die sehnsüchtig zu ihm aufblickt.)
Wohin nun Tristan scheidet, willst du, Isold' ihm folgen? Dem Land, das Tristan eint, der Sonne Licht nicht scheint: es ist das dunkel nächt'ge Land, daraus die Mutter mich entsandt, als, den im Tode sie empfangen, im Tod sie ließ an das Licht gelangen. Was, da sie mich gebar, ihr Liebesberge war das Wunderreich der Nacht, aus der ich einst erwacht: das bietet dir Tristan dahin geht er voran; ob sie ihm folge treu und hold - das sag' ihm nun Isold'! Acto II
TRISTAN Dünkt dich das? Ich, weiß es anders, doch kann ich's dir nicht sagen. Wo ich erwacht - weilt' ich nicht; doch, wo ich weilte, das kann ich dir nicht sagen. Die Sonne sah ich nicht, noch sah ich Land und Leute: doch, was ich sah, das kann ich dir nicht sagen. Ich war, wo ich von je gewesen, wohin auf je ich geh'; im weiten Reich der Weltennacht. Nur ein Wißen dort uns eigen: göttlich ew'ges Urvergessen! Wie schwand mir seine Ahnung? Sehnsücht'ge Mahnung, nenn' ich dich, die neu dem Licht des Tags mich zugetrieben? Was einzig mir geblieben, ein heiß-inbrünstig Lieben, aus Todes-Wonne-Grauen jagt's mich, das Licht zu schauen, das trügend hell und golden noch dir, Isolden, scheint!
(Kurwenal birgt, von Grausen gepackt, sein Haupt. Tristan richtet sich allmählich immer mehr auf)
Isolde noch im Reich der Sonne! Im Tagesschimmer noch Isolde! Welches Sehnen! Welches Bangen! Sie zu sehen, welch Verlangen! Krachend hört' ich hinter mir schon des Todes Tor sich schließen: weit nun steht es wieder offen, der Sonne Strahlen sprengt' es auf; mit hell erschloßnen Augen muß ich der Nacht enttauchen - sie zu suchen, sie zu sehen, sie zu finden, in der einzig zu vergehen, zu entschwinden Tristan ist vergönnt. Weh, nun wächst bleich und bang mir des Tages wilder Drang, grell und täuschend sein Gestirn weckt zu Trug und Wahn mir das Hirn! Verfluchter Tag mit deinem Schein! Wachst du ewig meiner Pein? Brennt sie ewig, diese Leuchte, die selbst Nachts von ihr mich scheuchte? Ach, Isolde, süße Holde! Wann endlich, wann, ach wann löschest du die Sünde, daß sie mein Glück mir künde? Das Licht- wann löscht es aus?
(Er sinkt erschöpft leise zurück.)
Wann wird es Nacht im Haus? Acto III
TRISTAN (außer sich) Isolde kommt! Isolde naht!
(er ringt gleichsam nach Sprache)
O Treue! Hehre, holde Treue!
(Er zieht Kurwenal an sich und umarmt ihn.)
Mein Kurwenal, du trauter Freund! Du Treuer ohne Wanken, wie soll dir Tristan danken? Mein Schild, mein Schirm in Kampf und Streit, zu Lust und Leid mir stets bereit; wen ich gehaßt, den haßtest du; wen ich geminnt, den minntest du. Dem guten Marke, dient' ich ihm hold, wie warst du ihm treuer als Gold! Mußt' ich verraten den edlen Herrn, wie betrogst du ihn da so gern! Dir nicht eigen, einzig mein, mit leidest du, wenn ich leide: nur was ich leide, das kennst du nicht leiden! Dies furchtbare Sehnen, das mich sehrt; dies schmachtende Brennen, das mich zehrt; wollt' ich dir's nennen, könntest du's kennen: nicht hier würdest du weilen, zur Warte müßtest du eilen - mit allen Sinnen sehnend von hinnen, nach dorten trachten und spähen, wo ihre Segel sich blähen, wo vor den Winden mich zu finden, von der Liebe Drang befeuert, Isolde zu mir steuert! - Es naht! Es naht! mit mutiger Hast! Sie weht, sie weht - die Flagge am Mast Das Schiff! Das Schiff! Dort streicht es am Riff! Siehst du es nicht? Kurwenal! Siehst du es nicht?
(Als Kurwenal, um Tristan nicht zu verlassen, zögert, und dieser in schweigender Spannung auf ihn blickt, ertönt, wie zu Anfang, näher, dann ferner, die klagende Weise des Hirten.) Acto III
TRISTAN (mit wachsender Schwermut) Muß ich dich so verstehn, du alte, ernste Weise, mit deiner Klage Klang? Durch Abendwehen drang sie bang als einst dem Kind des Vater Tod verkündet: durch Morgengrauen band und bänger, als der Sohn der Mutter Los vernahm. Da er mich zeugt' und starb, sie sterbend mich gebar, die alte Weise sehnsuchtbang zu ihnen wohl auch klagend drang, die einst mich frug, und jetzt mich frägt; zu welchem Los erkoren, ich damals wohl geboren? Zu welchem Los? Die alte Weise sagt mir's wieder: mich sehnen - und sterben! Nein! Ach nein! So heißt sie nicht Sehnen! Sehnen! Im Sterben mich zu sehnen, vor Sehnsucht nicht zu sterben! Die nie erstirbt, sehnend nun ruft um Sterbens Ruh' sie der fernen Ärztin zu - Sterbend lag ich stumm im Kahn, der Wunde Gift dem Herzen nah'; Sehsucht klagend klang die Weise; den Segel blähte der Wind hin zu Irlands Kind. Die Wunde, die sie heilend schloß, riß mit dem Schwert sie wieder los; das Schwert dann aber - ließ sie sinken; den Giftrank gab sie mir zu trinken: wie ich da hoffte ganz zu genesen, da ward der sehrendste Zauber erlesen: daß nie ich sollte sterben, mich ew'ger Qual vererben! Der Trank! Der Trank! Der furchtbare Trank! Wie vom Herz zum Hirn er wütend mir drang! Kein Heil nun kann, kein süßer Tod je mich befrei'n von der Sehnsucht Not; nirgends, ach nirgends find' ich Ruh': mich wirft die Nacht dem Tage zu um ewig an meinen Leiden der Sonne Auge zu weiden. O dieser Sonne sengender Strahl, wie brennt mir das Hirn seine glühende Qual! Für dieser Hitze heißes Verschmachten, ach, keines Schattens kühlend Umnachten! Für dieser Schmerzen schreckliche Pein, welcher Balsam sollte mir Lind'rung verleih'n? Den furchtbaren Trank, der der Qual mich vertraut, ich selbst - ich selbst, ich hab' ihn gebraut! Aus Vaters Not und Mutter-weh, aus Liebestränen eh' und je,- aus Lachen und Weinen, Wonnen und Wunden hab' ich des Trankes Gifte gefunden! Den ich gebraut der mir geflossen, den Wonne schlürfend je ich genossen - verflucht sei, furchtbarer Trank, Verflucht, wer dich gebraut!
(Er sinkt ohnmächtig zurück.) Acto III
TRISTAN Und drauf Isolde. wie sie winkt - wie sie hold mir Sühne trinkt: siehst du sie? siehst du sie noch nicht? Wie sie selig hehr und milde wandelt durch des Meers Gefilde? Auf wonniger Blumen lichten Wogen kommt sie sanft ans Land gezogen. Sie lächelt mir Trost und süße Ruh', sie führt mir letzte Labung zu. Ach, Isolde! Isolde! Wie schön bist du! Und Kurwenal wie, du säh'st sie nicht? Hinauf zur Warte, du blöder Wicht! Was so hell und licht ich sehe, daß das dir nicht entgehe! Hörst du mich nicht? Zur Warte schnell! Eilig zur Warte! Bist du zur Stell'? Das Schiff! Das Schiff! Isoldes Schiff? Du mußt es sehen! Mußt es sehen! Das Schiff? Säh'st du's noch nicht?
(Während Kurwenal noch zögernd mit Tristan ringt, läßt der Hirt von außen die Schalmei ertönen. Kurwenal springt freudig auf.) Acto III
TRISTAN O diese Sonne! Ha, dieser Tag! Ha, dieser Wonne sonnigster Tag! Jagendes Blut, jauchzender Mut! Lust ohne Maßen, freudiges Rasen! Auf des Lagers Bann wie sie ertragen! Wohlauf und daran, wo die Herzen schlagen! Tristan, der Held in jubelnder Kraft, hat sich vom Tod emporgerafft!
(Er richtet sich hoch auf.)
Mit blutender Wunde bekämpft' ich einst Morolden, Mit blutender Wunde erjag' ich mir heut' Isolden!
(Er reißt sich den Verband der Wunde auf.)
Heia, mein Blut! Lustig nun fließe!
(Er springt vom Lager herab und schwankt vorwärts.)
Die mir die Wunde ewig schließe, sie naht wie ein Held, sie naht mir zum Heil'! Vergeh' die Welt meiner jauchzenden Eil'! Acto III
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Última edición por jsierra44 el 12 Jun 2008 19:17, editado 1 vez en total
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